{"id":134,"date":"2021-01-21T10:19:05","date_gmt":"2021-01-21T10:19:05","guid":{"rendered":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/?page_id=134"},"modified":"2021-01-21T10:21:36","modified_gmt":"2021-01-21T10:21:36","slug":"tiergestuetzte-soziale-arbeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/?page_id=134","title":{"rendered":"Tiergest\u00fctzte Soziale Arbeit"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"134\" class=\"elementor elementor-134\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-0252e42 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"0252e42\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-68ad87e\" data-id=\"68ad87e\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-8193e97 elementor-widget elementor-widget-heading\" data-id=\"8193e97\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"heading.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t<h3 class=\"elementor-heading-title elementor-size-default\">Tiergest\u00fctzte soziale Arbeit<\/h3>\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-7830b0e elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"7830b0e\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-92bdf4d\" data-id=\"92bdf4d\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-65196b2 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"65196b2\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<p>Tagesstrukturierende Ma\u00dfnahmen f\u00fcr psychisch behinderte Menschen<\/p><p>Frau Kathrin Scholz<\/p><p>Frau Anetta Bryant<\/p><p><strong>Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/p><ol><li>Tagesstrukturierende Ma\u00dfnahmen<ul><li>Tagesstrukturierende Ma\u00dfnahmen als zweites Milieu<\/li><\/ul><\/li><li>Tiergest\u00fctzte soziale Arbeit<ul><li>Allgemeine Ziele der Tiergest\u00fctzten Therapie<\/li><li>Ergebnisse der tiergest\u00fctzten Arbeit<\/li><\/ul><\/li><li>Tiergest\u00fctzte P\u00e4dagogik<ul><li>Pferdegest\u00fctztes Coaching\/Training<\/li><li>Hunde bauen Br\u00fccken<\/li><\/ul><\/li><li>Zielgruppenbeschreibung<ul><li>Zielgruppe<\/li><li>Rahmen der Tagesstruktur<\/li><\/ul><\/li><li>Beschreibung der Einrichtung<ul><li>Der Offenstall in Tiefenroth<\/li><\/ul><\/li><li>Tagesablauf<\/li><li>Personale Aufstellung<\/li><\/ol><p><strong>\u00a0<\/strong><\/p><h4>1. Tagesstrukturierende Ma\u00dfnahmen<\/h4><p>Ein geregelter Tagesablauf schafft Orientierung. H\u00e4ufig fehlt vielen Klienten eine Tagesstruktur, weil sie aufgrund ihrer Erkrankung oder Behinderung nicht arbeiten gehen k\u00f6nnen. Wir m\u00f6chten Menschen unter-st\u00fctzen, die weder einen allgemeinen Beruf aus\u00fcben k\u00f6nnen noch in Werkst\u00e4tten f\u00fcr behinderte Menschen arbeiten. Unser Angebot richtet sich besonders an Menschen, die \u00fcber die Betreuung in einer station\u00e4ren Ein-richtung hinaus gef\u00f6rdert werden sollten. Denn h\u00e4ufig f\u00e4llt es ihnen auf-grund ihrer Behinderung schwer, den Alltag zu bew\u00e4ltigen. Schrittweise gew\u00f6hnen wir unsere Klienten an einen abgestimmten Tagesablauf und f\u00f6rdern gleichzeitig ihre F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten und damit auch ihr Selbstwertgef\u00fchl.<\/p><p>1.1 Tagesstrukturierende Ma\u00dfnahmen als zweites Milieu<\/p><p>Tagesstruktur als zweites Milieu: Die Idee der \u201eTagesstruktur\u201c als so genanntes zweites Milieu entspringt dem Normalisierungsprinzip, dass das Leben eines Menschen mit Behinderung so &#8222;normal wie m\u00f6glich&#8220; zu gestalten sei. Das Normale im weitesten Sinne bedeutet hierbei, dass Menschen unserer Kultur f\u00fcr gew\u00f6hnlich im Alltag ihren privaten Lebensbereich verlassen, um auf dem ersten Arbeitsmarkt an einem anderen Ort zusammen mit anderen Menschen einer T\u00e4tigkeit bzw. einer Aufgabe nachzugehen. Abgesehen von den dahinter liegenden Motiven und der konkreten Ausgestaltung stellt das zweite Milieu somit einen Lebensbereich dar, der durch Orts- und Beziehungswechsel zum privaten Lebensbereich hin gekennzeichnet ist. Diese beiden Aspekte bilden den Rahmen f\u00fcr eine notwendige inhaltliche Bestimmung eines zweiten Lebensbereiches f\u00fcr die Klienten der Ma\u00dfnahme \u201eTagesstruktur im Offen-stall in Tiefenroth\u201c. Was hei\u00dft aber zweites Milieu f\u00fcr psychisch behinderte Menschen, wenn ihre Kompetenzen es nicht zulassen, in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden bzw. ein Mindestma\u00df an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit zu leisten, um in einer WfbM besch\u00e4ftigt zu werden? Der oben benannte Rahmen bleibt bestehen: Die Klienten der \u201eTagesstruktur\u201c wechseln an einen anderen Ort mit anderen Mitarbeitern (Orts- und Sozialwechsel). Doch muss das zweite Milieu vor allem ein Lebensbereich sein, in dem Menschen mit Behinderung einer f\u00fcr sie sinn-vollen T\u00e4tigkeit im weitesten Sinne nachgehen k\u00f6nnen. Der zentrale Aspekt der sinnvollen T\u00e4tigkeit unterscheidet die \u201eTagesstruktur\u201c in ihrem Auftrag vom Wohnbereich. Damit erweist sich der zweite Lebensbereich nicht nur als ein der Normalit\u00e4t ad\u00e4quater Ort, sondern er ist auch ein Entwicklungsraum, der M\u00f6glichkeiten f\u00fcr verschiedene Ver\u00e4nderungs-prozesse bereith\u00e4lt. Den Klienten der \u201eTagesstruktur\u201c bietet sich hier auch die M\u00f6glichkeit, kontinuierliche Beziehungen einerseits zu anderen Klienten, Einstellern, Kunden oder Mitarbeitern, und andererseits auch zu den Tieren aufzubauen. Dies ist eine entscheidende Voraussetzung, um \u00fcber verschiedene Begegnungen und Gruppenerfahrungen soziale Kompetenzen (in Abh\u00e4ngigkeit vom Grad der Behinderung) erlernen zu k\u00f6nnen. \u00dcberhaupt ist der soziale Rahmen tagesstrukturierender Ange-bote eine wesentliche Grundbedingung f\u00fcr die Lernprozesse der Klienten. Die \u201eTagesstruktur\u201c als zweiter Lebensbereich birgt aber auch die M\u00f6glichkeit in sich, verschiedenen T\u00e4tigkeiten nachgehen, ein individuelles F\u00f6rderangebot erhalten und in heilp\u00e4dagogischer Begleitung Handlungs-, lebenspraktische, motorische und\/oder andere Kompetenzen erlernen zu k\u00f6nnen. Der soziale Charakter der \u201eTagesstruktur\u201c bringt es zwangsl\u00e4ufig mit sich, f\u00fcr die T\u00e4tigkeiten auch R\u00fcckmeldung in Form von Anerkennung zu bekommen, was die Bedeutung dieses Lebensbereiches f\u00fcr den Selbstwert der Klientinnen und Klienten unterstreicht. Betrachtet man die \u201eTagesstruktur\u201c nach den oben genannten Kriterien, so wird ersichtlich, dass es sich hierbei nicht um eine &#8222;Werkstatt f\u00fcr Schwache&#8220;, einen zur Tagesstruktur wirtschaftlichen Produktionsbereich oder gar einen &#8222;Aufbewahrungsort&#8220; au\u00dferhalb des Wohnbereiches handeln kann. Viel-mehr muss der zentrale Schwerpunkt auf der sinnvollen Gestaltung der Tagesstruktur liegen, die Phasen der Aktivit\u00e4t und der Ruhe mit ein-schlie\u00dft. Individuelle W\u00fcnsche und momentane Bed\u00fcrfnisse, aber auch das jeweilige Entwicklungsniveau der KlientInnen sind bei der Betreuung zu ber\u00fccksichtigen. Die Arbeit in der \u201eTagesstruktur\u201c steht somit unter dem Aspekt der Sinngebung durch eine T\u00e4tigkeit, im Gegensatz zur WfbM, wo eine Arbeit unter dem Aspekt der Aufgabe bzw. des Auftrages erfolgt.<\/p><ol start=\"2\"><li>Tiergest\u00fctzte Soziale Arbeit<\/li><\/ol><p>Die \u201eTiergest\u00fctzte Therapie\u201c umfasst bewusst geplante p\u00e4dagogische, psychologische und sozialintegrative Angebote mit Tieren f\u00fcr Kinder, Jugendliche, Erwachsene, wie \u00c4ltere mit kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Einschr\u00e4nkungen, Verhaltensst\u00f6rungen und F\u00f6rder-schwerpunkten. Sie beinhaltet auch gesundheitsf\u00f6rdernde, pr\u00e4ventive und rehabilitative Ma\u00dfnahmen.<\/p><p>Basis der tiergest\u00fctzten Therapie ist die Beziehungs- und Prozessge-staltung im Beziehungsdreieck Klient \u2013 Tier \u2013 Bezugsperson. Tiergest\u00fctzte Therapie beinhaltet Methoden, bei denen Klienten mit Tieren interagieren, \u00fcber Tiere kommunizieren oder f\u00fcr Tiere t\u00e4tig sind. Die Durchf\u00fchrung erfolgt zielorientiert anhand einer klaren Prozess- und Themenorientierung unter Ber\u00fccksichtigung tierethischer Grunds\u00e4tze mit anschlie\u00dfender Dokumentation und fachlich fundierter Reflexion.<\/p><p>2.1 Allgemeine Ziele der tiergest\u00fctzten Therapie<\/p><p><strong>Ziele:<\/strong><\/p><ul><li>die k\u00f6rperlichen, kognitiven und emotionalen Funktionen wiederherzustellen und zu erhalten,<\/li><\/ul><ul><li>die F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten zur Durchf\u00fchrung von Aktivit\u00e4ten und Handlungen zu f\u00f6rdern,<\/li><\/ul><ul><li>das Einbeziehen in die jeweilige Lebenssituation zu f\u00f6rdern und<\/li><\/ul><ul><li>das subjektive Wohlbefinden zu verbessern.<\/li><\/ul><p>Damit soll erreicht werden, dass der einzelne Mensch in unterschiedlichen Lebensbereichen seinen F\u00e4higkeiten entsprechend agieren und parti-zipieren kann.<\/p><p>Die spezifischen Ziele der tiergest\u00fctzten Therapie orientieren sich aus-gehend von der Indikationsstellung an Bed\u00fcrfnissen, Ressourcen und am St\u00f6rungsbild wie F\u00f6rderbedarf des jeweiligen Klienten.<\/p><p>Tiergest\u00fctzte Therapie steht in enger Beziehung zu anderen verwandten Wissenschaftsdisziplinen wie Psychotherapie, Psychologie, Medizin, P\u00e4da-gogik, Ethologie und Veterin\u00e4rmedizin.<\/p><p>2.2 Ergebnisse der tiergest\u00fctzten Arbeit<\/p><p><strong>Verbesserungen, die durch tiergest\u00fctzte Therapie erreicht werden k\u00f6nnen:<\/strong><\/p><ul><li>Die PatientInnen sprechen besser auf Medikamente an.<\/li><li>Blutdruck und Pulsfrequenz werden gesenkt.<\/li><li>Eine allgemein beruhigende Wirkung tritt ein.<\/li><li>Die geistigen F\u00e4higkeiten der PatientInnen werden verbessert, eine Verbesserung der Ged\u00e4chtnisleistung kann erreicht werden<br \/>Sprachst\u00f6rungen werden gemindert, weil Hemmungen den Tieren gegen\u00fcber geringer sind.<\/li><li>Eine Besserung von depressiven Verstimmungen tritt ein.<\/li><li>Eine allgemeine Aktivierung und Anhebung des Motivations-zustandes k\u00f6nnen erreicht werden.<\/li><li>Die Kommunikation wird gef\u00f6rdert.<\/li><li>Die sozialen Kontakte der KlientInnen untereinander und zum Pflegepersonal werden verbessert.<\/li><li>Das Selbstwertgef\u00fchl wird gesteigert.<\/li><li>Die physische Rehabilitation der PatientInnen wird gef\u00f6rdert, die Feinmotorik und Grobmotorik wird verbessert, es kann z.B. eine schmerzfreie Aufdehnung der Fingermuskulatur erreicht werden.<\/li><li>Die Reaktionsf\u00e4higkeit und die Lernf\u00e4higkeit von Menschen mit Behinderungen k\u00f6nnen gesteigert werden.<\/li><li>Talente und F\u00e4higkeiten k\u00f6nnen erkannt und gef\u00f6rdert werden.<\/li><\/ul><ol start=\"3\"><li>Tiergest\u00fctzte P\u00e4dagogik<\/li><\/ol><p>Der Umgang mit Tieren ist ein p\u00e4dagogisches Angebot f\u00fcr Menschen mit psychischen Behinderungen. Dieses schafft N\u00e4he, die das Herz \u00f6ffnet und weit macht. Kuscheln und Streicheln eines warmen K\u00f6rpers mit weichem Fell ist Balsam f\u00fcr verunsicherte Erwachsene. So k\u00f6nnen sie neues Ver-trauen ins Leben und in sich selbst gewinnen.<\/p><p>Tiere fordern dazu auf, sich selbst mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu sp\u00fcren. Bei der Bew\u00e4ltigung gemeinsamer Aufgaben mit den Tieren, lernen die PatientInnen mutig zu werden und sich angemessen durchzusetzen. Es geht auch darum, Verantwortung f\u00fcr das andere Lebewesen zu \u00fcbernehmen.<\/p><p>3.1 Pferdegest\u00fctztes Coaching\/Training<\/p><p>Pferde haben eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich und sind im sozialen Umgang mit anderen Lebewesen neben den Delfinen die wahr-scheinlich feinf\u00fchligsten und emotional-intelligentesten Tiere, die es gibt. Deshalb sind sie f\u00fcr die therapeutische Arbeit mit Menschen so unglaublich\u00a0 wertvoll.<\/p><p>Viele Krankheiten entstehen, weil wir den Bezug zu unserem Innersten verloren haben und wir nicht mehr auf die Signale unseres K\u00f6rpers achten. Ein Burnout oder eine Depression w\u00fcrden nicht entstehen, wenn wir gelernt h\u00e4tten, unsere Bed\u00fcrfnisse zu sp\u00fcren und zu respektieren. Pferde haben die besondere Gabe uns zu eben diesem verloren Inneren zu f\u00fchren &#8211; und zwar ganz sanft, von sich aus und ohne Druck.<\/p><p>Pferde leben in einem Herdenverband in einer hierarchischen Rang-ordnung. Sie sind Flucht- und Beutetiere, ihr Leben h\u00e4ngt von einer souver\u00e4nen F\u00fchrung ab. Sie sind immer ehrlich und ihr Verhalten ist immer kongruent. Daher spiegeln Pferde menschliche Verhaltensweisen immer ungefiltert. Sie zeigen uns Seiten an uns, die uns gar nicht bewusst sind. Sie helfen uns durch ihre hohe Sensibilit\u00e4t, zu sp\u00fcren wann wir auf dem \u201erichtigen\u201c Weg sind. Denn ihre Reaktion auf uns zeigt uns auf, wie wir uns f\u00fchlen. Sie sp\u00fcren es, selbst wenn wir uns nicht sicher sind und f\u00fchren uns zu dieser inneren Botschaft. Und das ohne dabei vorwurfsvoll den Finger zu heben. Sie be- oder verurteilen uns nicht, sondern lassen uns so sein, wie wir gerade sind.<\/p><p>Die Begegnung mit dem Pferd setzt auch auf der k\u00f6rperlichen Ebene Ver\u00e4nderungen in Gang. Wichtig f\u00fcr die Therapeutische Arbeit ist auch der k\u00f6rperliche Kontakt, denn die Ber\u00fchrungen setzen hormonelle Prozesse in Gang. Der Serotonin- wie auch der Oxytocin-Spiegel steigen. Oxytocin ist beim Menschen f\u00fcr psychische Befindlichkeiten wie Ruhegef\u00fchl, Vertrauen und Bindungsf\u00e4higkeit mitverantwortlich. Ein Serotoninmangel l\u00e4sst sich h\u00e4ufig bei depressiven Erkrankungen finden.<\/p><p>Mit dem Bereich Therapeutische Arbeit werden vor allem diejenigen angesprochen, die einen gewissen Leidensdruck versp\u00fcren, depressiv sind, gemobbt werden, an Essst\u00f6rungen leiden oder die einfach nicht mehr weiterwissen und glauben, es alleine nicht zu schaffen. Menschen, die Probleme haben sich selbst wahrzunehmen, die durch psychische St\u00f6rung den Zugang zu eigener Wahrnehmung verloren haben und sich nicht mehr sp\u00fcren k\u00f6nnen.<\/p><p>Die Klienten k\u00f6nnen im Umgang mit den von Natur aus zugewandten und nicht bewertenden Pferden (im wahrsten Sinne des Wortes) tragf\u00e4hige Beziehungen erleben und wieder Vertrauen fassen. Wenn diese gro\u00dfen und starken Tiere sich lenken lassen, w\u00e4chst das Gef\u00fchl der eigenen\u00a0 St\u00e4rke.<em> der Welt um zu glauben, s<\/em><\/p><p>Der Kommunikationsexperte Watzlawick hatte Kindern, Narren und Tieren zugeschrieben, dass sie eine besondere Intuition f\u00fcr Ehrlichkeit oder T\u00e4uschung von Menschen und deren Handeln haben. Mimik oder Gestik verraten mehr \u00fcber die Meinung anderer \u00fcber uns als 100 Worte.<\/p><p>Pferde reagieren auf unsere k\u00f6rperliche Ausstrahlung bzw. Pr\u00e4senz und nicht durch die gesprochenen Worte. Pferde k\u00f6nnen an der K\u00f6rperhaltung von Menschen erkennen, ob das Ziel mit dem K\u00f6rperausdruck und der Aussage \u00fcbereinstimmen. Sie decken unsere Inkongruenz auf.<\/p><p>Pferde setzen selten Laute , um zu kommunizieren und sind die wahren Experten f\u00fcr K\u00f6rpersprache. Sie nehmen sehr sensibel wahr, was der Mensch durch seine K\u00f6rpersprache mitteilt. Das kann Angst oder Freude sein, Spa\u00df oder Langeweile aber auch Entschlossenheit oder Z\u00f6gern. Auch Anzeichen, die N\u00e4he und Distanz signalisieren werden von ihnen wahrgenommen.<\/p><p>Verk\u00f6rpert ein Mensch Selbstsicherheit, Ruhe und Authentizit\u00e4t reagiert auch das Pferd darauf mit seinem Verhalten entsprechend. Durch das direkte und unvermittelte Feedback bietet sich dem Menschen im Umgang mit Pferden \u2013 durch das Coaching \u2013 eine erlebnisorientierte M\u00f6glichkeit:<\/p><ul><li>sich \u00fcber alte Verhaltensweisen bewusst zu werden<\/li><li>die individuellen Potenziale zu erkennen, und dadurch<\/li><li>Prozesse in Gang zu bringen, sich von alten Denk- und Ver-haltensmustern zu trennen.<\/li><\/ul><p>Pferde k\u00f6nnen wir nicht bel\u00fcgen, sie erkennen, wenn der \u00e4u\u00dfere Ausdruck nicht mit dem Inneren \u00fcbereinstimmt. Dadurch kann der Mensch er-kennen, dass er nicht kongruent ist und hat die Chance seine Absicht zu \u00fcberdenken. Beim Coaching mit Pferden k\u00f6nnen wir Menschen ein direktes und ehrliches Feedback \u00fcber die Wirkung von Mimik, Gestik und Verhalten erhalten. Diese Form der Kommunikation unterscheidet nicht zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sodass Pferde immer zeitnah und situationsgebunden reagieren. Dadurch hat man beim pferdegest\u00fctzten Coaching die M\u00f6glichkeit, eine unmittelbare Reaktion dar\u00fcber zu erhalten, wie das eigene Verhalten gerade wirkt.<\/p><p>3.2 Hunde bauen Br\u00fccken<\/p><p>Unser Projekt \u201eHunde bauen Br\u00fccken\u201c ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit mit Tieren. Die KlientInnen lernen im p\u00e4dagogischen Alltag den artgerechten Umgang mit den Hunden.<\/p><p>Durch das Bem\u00fchen der Hunde, die Zuneigung des Menschen zu erlangen, wird das Gef\u00fchl des eigenen Wertes der Menschen positiv verst\u00e4rkt.<\/p><ol start=\"4\"><li>Zielgruppenbeschreibung<\/li><\/ol><p>Die tagesstrukturierenden Angebote stehen Menschen zur Verf\u00fcgung, bei denen eine wesentliche Behinderung nach \u00a753 SGB XII im Sinne einer psychischen Behinderung nach \u00a72 der Eingliederungshilfeverordnung vorliegt und die zugleich die Aufnahmevoraussetzungen f\u00fcr eine Werkstatt f\u00fcr behinderte Menschen (WfbM) gem. \u00a7136 Abs. 2 SGB IX nicht oder noch nicht erf\u00fcllen. Des Weiteren m\u00fcssen die KlientInnen ihre Schulpflicht bereits absolviert haben. Die Ausschlusskriterien werden jedoch der Heterogenit\u00e4t an Kompetenz und Individualit\u00e4t der Besucher der \u201eTagesstruktur\u201c nicht gerecht. Denn schlie\u00dflich sind jene Menschen angesprochen, die auf Grund ihrer psychischen Behinderung zwar nicht in der Lage sind, ein Mindestma\u00df an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit zu verrichten, jedoch einer f\u00fcr sie sinnvollen T\u00e4tigkeit nachgehen k\u00f6nnen. Die Beschreibung von T\u00e4tigkeitskompetenzen der Betroffenen muss daher neben vorhanden F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten auch Defizite mit einschlie\u00dfen, denn die Frage, warum ein Mensch mit psychischer Behinderung die \u201eTagesstruktur\u201c besucht, schlie\u00dft gem\u00e4\u00df \u00a7136 SGB IX immer die Frage mit ein, warum er nicht resp. noch nicht in einer Werkstatt f\u00fcr behinderte Menschen arbeiten kann.<\/p><p>4.1 Zielgruppe<\/p><p>Erwachsene, von psychischen Erkrankungen betroffene Menschen, die unter folgenden Diagnosen leiden:<\/p><ul><li>Depressionen<\/li><li>Sucht<\/li><li>Borderline &#8211; Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung<\/li><li>Psychosen<\/li><li>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung<\/li><li>Doppeldiagnosen<\/li><\/ul><p>4.2 Rahmen der \u201eTagesstruktur\u201c<\/p><p>Die KlientInnen der \u201eTagesstruktur\u201c sollen im Sinne des Normalit\u00e4ts-prinzips montags bis freitags einen zweiten Lebensbereich aufsuchen k\u00f6nnen, um einer f\u00fcr sie sinnvollen T\u00e4tigkeit nachgehen zu k\u00f6nnen. Die \u201eTagesstruktur\u201c ist demnach ein verbindliches Angebot f\u00fcr jede Bewohnerin und jeden Bewohner unserer Einrichtung sowie f\u00fcr externe Klientinnen und Klienten, die dem oben beschriebenen Personenkreis angeh\u00f6ren. \u00dcbergeordnetes Ziel der \u201eTagesstruktur\u201c ist im Sinne der Ein-gliederungshilfe die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft. Die \u201eTagesstruktur\u201c ist folglich ein Ort, der in verschiedener Hinsicht Lern- und Erfahrungsprozesse sowie Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft (Sozial- und Ortswechsel) erm\u00f6glichen soll. Durch entsprechende Angebote im Bereich der Stallarbeit und der Arbeit und dem Zusammensein mit den Tieren, soll das Verantwortungsbewusstsein und auch die Selbstsicherheit gef\u00f6rdert werden.\u00a0<\/p><ol start=\"5\"><li>Beschreibung der Einrichtung<\/li><\/ol><p>Im Landkreis Lichtenfels, unterhalb von Kloster Banz, ist die Heimat der Pferde. Der Offenstall befindet sich im kleinen D\u00f6rfchen Tiefenroth. Hier grasen die Pferde gemeinsam auf den Wiesen eines Bauernhofs, ab-geschieden und umgeben von W\u00e4ldern. In gem\u00fctlicher Atmosph\u00e4re begegnen sich alle, ob Mitarbeiter, Klienten oder Einsteller auf dem Hofplatz, K\u00fcche, in den Stallungen oder Gemeinschaftsr\u00e4umen.<\/p><p>5.1 Offenstall Tiefenroth<\/p><p>R\u00e4umlichkeiten<\/p><p>2 Offene St\u00e4lle<\/p><p>1 Stall mit Boxenhaltung<\/p><p>2 Aufenthaltsr\u00e4ume<\/p><p>1 K\u00fcche<\/p><p>1 Unisextoilette<\/p><p>Die Idee des Offenstalls: Das Pferd entscheidet nach seinen momentanen Bed\u00fcrfnissen<\/p><ul><li>Futteraufnahme (Futterpl\u00e4tze f\u00fcr Heu, Strohraufe ect.)<\/li><\/ul><ul><li>Wasseraufnahme<\/li><li>Ruhe<\/li><li>Bewegung\/Spielen<\/li><li>Herdenverhalten auf der Koppel<\/li><\/ul><p>Zus\u00e4tzlich zu der Bewegung zwischen den Futterpl\u00e4tzen werden weitere Bewegungsanreize durch weitl\u00e4ufige Verteilung von Ruheraum und\u00a0 Tr\u00e4nken sowie Zusatzeinrichtungen wie st\u00e4ndig verf\u00fcgbarer Strohraufe und Koppelzugang (witterungsabh\u00e4ngig) geschaffen. F\u00fcr Ihr Pferd bedeutet das:<\/p><ul><li>sozialen Kontakt zu anderen Pferden<\/li><\/ul><ul><li>nat\u00fcrliche und artgerechte Haltung<\/li><li>individuelle und kontrollierte Ern\u00e4hrung<\/li><li>Freude und Bewegung<\/li><\/ul><p>Vorteile der Offenstallhaltung f\u00fcr Mensch und Tier<\/p><ul><li>Minimierung von &#8222;Zivilisationskrankheiten&#8220; bei Pferden (Koliken, dicke Beine, steife Gelenke, Muskelprobleme, Allergien) durch konstante, ruhige Bewegung im Freien und 24-Stunden-Futterangebot<\/li><\/ul><ul><li>Ausgeglichene, sozial vertr\u00e4gliche Tiere durch Herdenhaltung,<\/li><li>Hohe Grundkondition und Leistungsbereitschaft durch permanente Bewegung<\/li><li>Entlastung des Pferdebesitzers<\/li><\/ul><ol start=\"6\"><li>Tagesablauf<\/li><li>Morgenrunde: jeder Klient kann sich bei einem Kaffee dazu \u00e4u\u00dfern, wie es ihm am Tag zuvor gefallen oder nicht gefallen hat oder was sie nach der Arbeit alles am Tag zuvor erlebten. Wie geht es den einzelnen Tieren? Und was in der Herde alles noch geschehen ist. Aufgaben werden verteilt und der Tagesablauf besprochen.<\/li><\/ol><ol start=\"2\"><li>Versorgung der Tiere<\/li><\/ol><ul><li>Wasser wird aufgef\u00fchrt, leere Wasserbeh\u00e4lter ges\u00e4ubert<\/li><li>F\u00fctterung der Pferde<\/li><li>St\u00e4lle ausgemistet und aufger\u00e4umt<\/li><li>Pferde auf die Koppel f\u00fchren<\/li><\/ul><ol start=\"3\"><li>Lerneinheiten<\/li><\/ol><ul><li>Herdenverhalten<\/li><li>Das Pferd<\/li><li>Bodenarbeit<\/li><li>Ber\u00fchrung Streicheln, Putzen, Kommunizieren<\/li><\/ul><ol start=\"4\"><li>Aktivierungsrunde<\/li><\/ol><ul><li>Spaziergang durch den Wald mit Pferden und Hunden<\/li><li>Reiten lernen<\/li><\/ul><ol start=\"7\"><li>Personelle Aufstellung<\/li><\/ol><p>Frau Kathrin Scholz ist eine gelernte Physiotherapeutin und Reitlehrerin mit langj\u00e4hriger Erfahrung in Umgang und der Ausbildung von Pferden. Seit mehreren Jahren begleitet Frau Scholz unterschiedliche Projekte mit gesunden und behinderten Kindern. Neben Pers\u00f6nlichkeitstraining mit den Pferden bietet sie auch Reitunterricht f\u00fcr Kinder und Erwachsene auf ihren sechs Pferden an. Gemeinsame Ausritte und Spazierg\u00e4nge durch den Wald sind immer auch Bestandteil und eine sch\u00f6ne Erg\u00e4nzung zum Unterricht. Sie f\u00fchrt ihre Sch\u00fcler ebenso in die Arbeit am Boden ein und unterrichtet das Herdenverhalten, die K\u00f6rpersprache und auch die Anatomie und Biomechanik der Pferde.<\/p><p>Frau Anetta Bryant Dipl. P\u00e4d. (Univ.) Studium der Andragogik und Klinischen Psychologie. Fachtherapeutin f\u00fcr Psychotherapie, Kranken-schwester und Trainerin sozialer Kompetenzen mit langj\u00e4hriger Erfahrung in der Psychiatrie.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tiergest\u00fctzte soziale Arbeit Tagesstrukturierende Ma\u00dfnahmen f\u00fcr psychisch behinderte Menschen Frau Kathrin Scholz Frau Anetta Bryant Inhaltsverzeichnis Tagesstrukturierende Ma\u00dfnahmen Tagesstrukturierende Ma\u00dfnahmen als zweites [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"elementor_header_footer","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-134","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=134"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":138,"href":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/134\/revisions\/138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sozialpsychiatrischer-dienst-bryant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}